Soziale Kompetenztrainings – Mehr Sicherheit im Umgang mit anderen

– Ergotherapie Schreiber –

Wie therapeutisch begleitete Gruppen neue Wege aus Einsamkeit und Unsicherheit eröffnen

Soziale Situationen gehören zu unserem Alltag – Gespräche führen, Konflikte klären, sich in Gruppen einbringen, Feedback annehmen. Doch für viele Menschen sind genau diese Begegnungen mit Unsicherheit, Anspannung oder Rückzug verbunden. Besonders Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS oder sozialen Ängsten empfinden alltägliche Interaktionen oft als anstrengend oder überfordernd.

Hinzu kommt ein wachsendes gesellschaftliches Phänomen: Einsamkeit. Gerade in emotional sensiblen Zeiten wie der Vorweihnachtszeit wird sie spürbar – wenn Erwartungen an soziale Nähe steigen, aber innere Hemmungen bleiben. Umso wichtiger sind Räume, in denen soziale Fähigkeiten ohne Druck und in geschütztem Rahmen eingeübt werden können.

Wenn Kontakt schwerfällt – soziale Unsicherheit verstehen

Soziale Kompetenz ist keine angeborene Eigenschaft – sie entwickelt sich. In der Kindheit durch Vorbilder, in der Jugend durch Erfahrung, im Erwachsenenalter durch wiederholte Begegnung. Wer in diesen Phasen jedoch immer wieder Ablehnung, Überforderung oder Missverständnisse erlebt, beginnt oft, soziale Situationen zu meiden.

Besonders betroffen sind Menschen mit:

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
  • sozialer Ängstlichkeit oder Schüchternheit
  • niedrigem Selbstwertgefühl nach Ausgrenzung oder Mobbing

In der Folge entstehen nicht nur soziale Rückzüge, sondern auch emotionale Belastungen wie Einsamkeit, Frustration oder Angst vor Ablehnung.

Weihnachten – ein Brennglas für soziale Themen

In der Weihnachtszeit werden soziale Erwartungen besonders spürbar: festliche Gemeinschaft, harmonisches Beisammensein, Nähe und Geborgenheit. Wer sich ohnehin schwer tut im Kontakt mit anderen, fühlt sich in dieser Zeit oft noch isolierter. Während sich andere verabreden, feiern oder Zeit mit Familie verbringen, wächst bei manchen der innere Druck – oder das Gefühl, „nicht dazuzugehören“.

Gerade in dieser Phase sind sozialtherapeutische Angebote besonders wertvoll. Sie bieten nicht nur Struktur und Begegnung, sondern auch die Möglichkeit, in einer Atmosphäre der Akzeptanz neue soziale Erfahrungen zu machen.

Was Soziale Kompetenztrainings leisten können

In der ergotherapeutischen Praxis bieten Soziale Kompetenztrainings einen geschützten Raum, um soziales Verhalten gezielt zu üben. Anders als im „echten Leben“ dürfen hier Fehler passieren. Übungen werden vorbereitet, begleitet und reflektiert – ohne Bewertung, mit klarer Struktur und im Tempo der Teilnehmenden.

Trainiert werden unter anderem:

  • Einleiten und Halten von Gesprächen
  • Wahrnehmen und Deuten von Körpersprache
  • Äußern von Bedürfnissen und Grenzen
  • Umgang mit Kritik, Frust oder Unsicherheit

Die Übungen sind praxisnah, alltagsbezogen und häufig in Gruppenaufgaben oder Rollenspielen eingebettet. Besonders wichtig ist dabei: Niemand wird bloßgestellt oder überfordert – jede Person entscheidet selbst, wie viel sie einbringen möchte.

Gruppentherapie – mehr als gemeinsames Üben

Der große Vorteil von Gruppenangeboten liegt nicht nur in der praktischen Übung, sondern auch in der Begegnung mit Gleichgesinnten. Viele Teilnehmende erleben zum ersten Mal: Ich bin nicht allein mit meiner Unsicherheit. Andere kennen ähnliche Gedanken, ähnliche Sorgen – und ähnliche Sehnsüchte nach Verbindung.

Diese sogenannte Peer-Unterstützung (von engl. peer = Gleichaltrige / Gleichbetroffene) beschreibt die besondere Wirkung, die von Menschen ausgeht, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. In einer therapeutischen Gruppe entsteht dadurch ein Klima von Vertrauen, Verständnis und Offenheit – ohne Scham oder Leistungsdruck. Es wird leichter, sich zu zeigen, Feedback anzunehmen und sich gegenseitig zu ermutigen.

Peer-Unterstützung bedeutet also nicht einfach: „Alle sitzen im gleichen Boot.“ Sie bietet vielmehr die Möglichkeit, sich in anderen wiederzuerkennen, neue Perspektiven zu gewinnen und durch das Miteinander zu wachsen. Oft hören wir von Teilnehmenden, dass sie zum ersten Mal wirklich verstanden wurden – nicht nur vom Therapie-Team, sondern von anderen, die „wissen, wie sich das anfühlt“.

Besonders bei ADHS und sozialen Ängsten wirkt diese Erfahrung entlastend. Die Gruppe wird zum Übungsfeld – aber auch zur emotionalen Ressource. Schüchterne Kinder blühen in einem wertschätzenden Gruppenumfeld auf, Jugendliche entwickeln mehr Selbstvertrauen, und auch Erwachsene gewinnen neue soziale Sicherheit durch die Kraft der Gemeinschaft.

Damit dies gelingt, braucht es bestimmte Rahmenbedingungen: Struktur, Transparenz, Verbindlichkeit – und eine therapeutische Leitung, die Gruppendynamiken sensibel lenkt und individuelle Fortschritte im Blick behält.

Sicherheit im Kontakt lässt sich lernen – am besten gemeinsam

Soziale Kompetenz ist kein Talent, sondern ein Trainingsprozess. Mit dem richtigen Rahmen, verständnisvoller Begleitung und der Erfahrung, nicht allein zu sein, können auch schüchterne oder ängstliche Menschen lernen, sich sicherer im Kontakt mit anderen zu fühlen.

Besonders die Peer-Unterstützung wirkt dabei oft stärker als jede Anleitung von außen. Wer sich verstanden fühlt, entwickelt Mut. Wer erlebt, dass auch andere Fehler machen und trotzdem angenommen werden, wird offener. Und wer sich gegenseitig unterstützt, festigt Gelerntes auf eine besonders nachhaltige Weise.

Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit viele betrifft und echte Begegnung an Bedeutung gewinnt, sind therapeutisch begleitete Gruppenangebote ein wertvoller Beitrag zur seelischen Gesundheit.

In unserer Praxis bieten wir regelmäßig soziale Kompetenztrainings für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an – mit individuellen Schwerpunkten, strukturierter Begleitung und einem starken Fokus auf Gemeinschaft und gegenseitige Stärkung.

Bilderquelle: shurkin_son – stock.adobe.com

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